Zu hohe Ziele

Es bricht mir echt das Herz, wenn ich einem Kind Klavierunterricht gebe und es nach einiger Zeit wieder aufhört.

Erst gestern habe ich dazu einen gemeinsamen Nenner gefunden – zu hohe Ziele. Oder auch zu hohe Erwartungen oder einfach nicht erfüllte Ziele.

Die Abfolge ist in etwa so:

Das Kind beginnt mit großem Enthusiasmus. (Das gilt übrigens auch für Erwachsene!) Es hat hohe Ziele, oft unausgedrückt, etwas vage, oder auch ziemlich klar. Es übt, macht Fortschritte. Und nach einiger Zeit vergleicht es den Fortschritt mit dem Ziel und sieht, wie viel da noch zu tun ist. Es gibt einen Rückfall, Interferenzen durch andere Hobbys, Freunde, etc. Und was geschieht an diesem Punkt?

Ein Abdriften vom Ziel.

Wenn wir unser Leben betrachten, passiert uns dies eigentlich immer wieder, etwa in der Partnerschaft, im Beruf, bei Hobbys, bei Freundschaften, Vorhaben usw.

Es ist eigentlich ein Phänomen, das uns nicht nur beim Erlernen eines Instruments begegnet! 

Die Lösung?

  1. Keine hohen Ziele mehr? Das wäre wahrscheinlich unser Tod. Glück erreichen wir ja gerade dadurch, dass wir uns Ziele setzen und sie erreichen.
  2. Eine neue Aktivität suchen? Das gibt uns das Gefühl eines Verlustes oder von Versagen. Auch nicht so toll!
  3. Das ursprüngliche Ziel neu beleben? Das finde ich doch eine gute Idee. Kostet kaum etwas und kann sogar recht schnell gehen! Interessanterweise gibt uns das Leben ständig Gelegenheiten, dieses alte Ziel wieder zu aktivieren. (Beispiel: Ich habe zwei Jahre lang Wirtschaft studiert. Wie oft habe ich versucht, mein altes Ziel in dieser Richtung wiederzubeleben! Gerade jetzt z.B. würde meine liebe Lebensgefährtin so gern mit mir ein Business-Consulting-Unternehmen gründen.)
  4. Das große Ziel in Unterziele unterteilen. Ich glaube, das war der Hauptgrund, warum ich an der Orgel so weit gekommen! Ich habe einfach weitergemacht. Hier ist das nächste Stück, und jetzt spielen wir mal Mendelssohn. Und jetzt hätte ich noch einen anderen Komponisten. Und ich habe gespielt. Ein Stück nach dem anderen. Und es sollte bis zur nächsten Stunde fertig sein. Und die Schritte waren machbar und real.

Ein neues Gebiet

Derzeit lerne ich ein neues Gebiet. Es ist absolut faszinierend. Es ist so genial stufenweise aufgebaut, dass man jeden Schritt mühelos schaffen kann und am Ende die gesamte Fertigkeit erworben hat.

Gerade wenn Sie sich autodidaktisch Musik beibringen, ist es essentiell, sich das Gebiet stufenweise zu erarbeiten. Lernen funktioniert in Gradienten, in kleinen Erfolgen, die zu größeren Erfolgen führen.

Hohe Ziele in Unterziele unterteilen

Sich ein hohes Ziel setzen ist ein toller Ansporn, es sollte auch lebendig erhalten bleiben, doch dieses große Ziel muss in kleine Unterziele unterteilt werden, die Stück für Stück, Tag für Tag, Woche für Woche erreicht werden. Und ohne dass man es groß merkt, hat man das Gebiet beherrscht.

Haben Sie andere Lösungen gefunden?

Ich freue mich auf Ihren Input und den Erfahrungsaustausch mit Ihnen.

Musikalische Grüße

Gerd Pölzl

PS: Im Musik-Verstehen-Seminar und den dazugehörigen Übungen ist dieser gradientenweise Ansatz eingebaut und fester Bestandteil.