Immer wieder begegne ich Menschen, die liebend gern ein Instrument spielen möchten, aber einfach den Einstieg nicht schaffen. WO ANFANGEN? WIE ANFANGEN?

Wenn du dieses Phänomen erlebt hast, komm doch mit mir an meinen Traumort: Du bist entspannt, gelassen, neugierig. Du bist offen, es gibt ein angenehmes Fließen von Energien, Dinge entstehen ganz selbstverständlich, sie sind in Harmonie, Körper, Geist und Seele vereinigen sich. Es gibt ein Wohlgefühl, so eine Art stille Freude. Du gestaltest, erschaffst, spielst, genießt und hast Freude. Kennst du das? So ungefähr ist meine ideale Vorstellung beim Üben.

Wenn du regelmäßig spielst und Freude daran hast, dann kannst du dieses Mail getrost wieder löschen.

Wenn dich irgendetwas von der Verwirklichung deiner musikalischen Träume abhält, könnte dieses Mail vielleicht ein paar wertvolle Anregungen enthalten.

  1. Dein Ziel: Was genau ist dein musikalischer Traum oder dein musikalisches Ziel? Wohin soll denn die Reise gehen? Kannst du es visualisieren? Kannst du es spüren, ist es wirklich real?
  2. Einfach starten – völlig unbekümmert und unbeschwert loslegen. Was auch immer draus wird. Was koste die Welt! Pack deine Gitarre oder dein Saxophon aus und zupf daran, blas hinein. Mach dir einen Spaß damit! Probier was aus. Greif in deinen Notenkasten, schnapp dir einfach Noten, die dir gerade in den Sinn kommen. Hab Freude daran. Und wenn du Freude daran hast, wirst du es wieder machen wollen.
  3. Die Rosskur: Was habe ich nicht verstanden? Finde den Bereich, den du nicht verstanden hast, grenze den Bereich ein und löse die Verwirrung auf. Vielleicht fallen dir deine wunden Punkte in der Musik nicht gleich ein, aber wenn du ein bisschen deine Aufmerksamkeit darin hinlenkst, wirst du schnell erkennen, wo die Schwierigkeiten sitzen. Finde den Bereich, finde die nicht verstandenen Begriffe und kläre sie auf. Dies wird Energien freisetzen und es wird dir ermöglichen, dich sicherer und entspannter und mit mehr Verstehen an dein Instrument zu setzen.
  4. Den Stier bei den Hörnern packen – das Überwinden von Barrieren: Das Leben stellt einem viele Hürden in den Weg. Man wird mit Problemen bombardiert, die es zu lösen gibt. Nimm dir Mut, pack die Dinge direkt an und schaff dir den Raum für dein Hobby und für dich!
  5. Überwindung des inneren Schweinehunds: Vor Kurzem habe ich eine Umfrage gemacht. Ich wollte wissen, was wohl die größte Schwierigkeit beim Erlernen eines Instruments ist. Es war nicht der Rhythmus, die Harmonielehre oder der Lehrer. Eine Sache, die öfter als alle anderen vorkam, war die Überwindung des inneren Schweinehunds. Es gibt kaum unglücklichere Menschen als solche, die ein müßiges Leben führen. Aktivität und Leistung heben die Moral gewaltig.
  6. Sich die Rute ins Fenster stellen: Hast du schon mal beobachtet, dass, wenn man nichts tut, es immer schwieriger wird? „Im Moment habe ich so viel zu tun, es ist unmöglich, mir Zeit herauszuholen. Wenn ich das mal erledigt habe, dann wird’s leichter.“ Aber wenn du auf letztes Jahr oder auf die letzten Monate zurückblickst, war’s wahrscheinlich noch um etwas leichter. Hätten wir damals damit begonnen, wären wir schon viel weiter! Der richtige Moment zu starten ist in der Tat JETZT!
    Zähle die Tage, an denen du hintereinander ohne Unterbrechung mindestens 10 min geübt hast. Bald wird daraus eine Gewohnheit und du wirst die Serie nicht unterbrechen wollen.
    Übrigens gerade lese ich ein sehr spannendes Buch vom Chefredakteur des britischen „Guardian“, der trotz heftiger beruflicher Herausforderungen, es geschafft hat, eines der schwierigsten Klavierstücke überhaupt (Chopins Ballade Nr. 1 in g-Moll, op. 23) in einem Jahr mit 20 Minuten pro Tag zu erlernen und konzertreif aufzuführen.
    https://www.amazon.de/Play-again-zwischen-Noten-Nachrichten/dp/390595169X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1482073629&sr=8-1&keywords=rusbridger+play+it+again
  1. Der Kalender – dein Freund: Wir tragen unsere Termine, unsere Geschäftsessen, unsere Familienfeiern etc. in unseren Kalender ein. Warum nicht auch, wann wir unser Instrument spielen? Jeden Tag vor dem Abendessen? Oder vielleicht gleich vor dem Frühstück? Oder vielleicht direkt nach der Mittagspause? So wird das Üben in den Tagesablauf integriert und fest verankert.
  2. Unerledigtes: Das ist in meinen Augen mein größter Feind. Wirklich! Und Gott sei Dank kann ich ihm direkt in die Augen sehen: Dieser Papierstoß im Regal. Dieses Durcheinander mit den Dokumenten im Computer. Das überquellende Kellerabteil. Dieser Keller mit den Leichen drin. 😉 Was für eine Befreiung, hier Ordnung geschafft zu haben. Diese freigesetzte Kraft könnte man ja eventuell in seine Musikprojekte einsetzen.
  3. Der Einfluss anderer: Du weißt schon, was ich meine. Kennst du das Gefühl, dass dein Leben von den „Projekten“ anderer bestimmt wird? Die Maierhofers haben sich zum Besuch angemeldet. Die Schwiegermutter ruft wieder an. Und natürlich haben auch der Partner und die Kinder ihre Wünsche und Anliegen. Würde es funktionieren, bestimmt und freundlich „Nein“ zu sagen? Es wird respektiert werden.

Ich könnte dir erzählen, wie ich mir ein Stück erarbeite, oder wie ich Klavier übe. Doch ich möchte einen Konzertpianisten sprechen lassen, der wirklich durch die Hölle ging und genau weiß, wovon er spricht:

Ein Stück einzustudieren erfordert den gleichen Prozess. Überschaubare Zeitblöcke, Konzentration, Disziplin, ehrliche Arbeit. Ich entscheide, welches Stück ich lernen will, gehe zum Musikladen, komm mit den Noten wieder nach Haus, platziere Kaffee, einen Aschenbecher, einen Bleistift und das Metronom oben auf das Klavier und fange mit der ersten Seite an. Ich gehe Seite für Seite, Notenzeile für Notenzeile durch und überlege mir den jeweils besten Fingersatz. Technisch schwierige Passagen teile ich in kurze Blöcke auf und wende kleine Tricks an, um sie einzuüben. Ich wiederhole und wiederhole, ganz bewusst auf jeden einzelnen Ton achtend, und mit der Zeit, bei einer, zwei oder vier Stunden Üben am Tag, baut sich das Stück auf, bis ich ein paar Wochen später auf die Bühne trete und es aus dem Gedächtnis spiele. Darin besteht für mich das Leben. Es ist unterhaltsam, inspirierend, beglückend und ehrenvoll. Es lässt sich nicht nur auf Musik und Schreiben anwenden, sondern auch auf Beziehungen, Liebe, Freundschaft, Fürsorge. Es entscheidet letztlich darüber, wie wir uns ausdrücken und uns selbst einschätzen.

(aus James Rhodes: Der Klang der Wut, Wie mich die Musik am Leben hielt)

https://www.amazon.de/Klang-Wut-Musik-Leben-hielt/dp/3312006546/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1482073747&sr=8-1&keywords=james+rhode+der+klang+der+wut

Ich persönlich habe in den Übungen von Duncan Lorien eine große Bereicherung für mein Spiel gefunden und wende sie täglich an, um mich ständig zu verbessern. Sie sind sozusagen die stabilen Ankerpunkte, die mir auf meiner Reise zu meinen musikalischen Träumen den Weg ebnen.

Und jetzt würde mich interessieren, wie du es schaffst, im Trubel des Alltags und trotz der Verlockungen des Lebens deine musikalischen Entdeckungsreisen zu verwirklichen.

Alles Liebe

Gerd

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